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Covid-19 in den USA


Disclaimer: Dieser Text bezieht sich auf den Stand vom 9. April 2020 und könnte in Details bei der Veröffentlichung überholt sein.



Covid-19 in den USA


Dem Thema der Corona-Krise ist aktuell kaum zu entkommen, doch auch, wenn der Virus auf der ganzen Welt ein wichtiges Problem darstellt, gibt es einige Länder, die schwerwiegender in Mitleidenschaft gezogen werden als andere. Viele denken dabei vielleicht an Italien oder Spanien, doch es gibt ein Land, welches potenziell wesentlich härter vom Virus getroffen werden könnte: die USA. Obwohl das Land den Zenit der Krise noch lange nicht erreicht hat, ist es schon jetzt das Land mit den meisten Infizierten (über 400.000 am 08.04.2020), und allein der Bundesstaat New York hat mehr Infizierte als ganz Spanien.


Die USA - perfekter Nährboden für das Corona-Virus


Doch wieso scheint sich das Corona-Virus in den USA scheinbar so viel besser auszubreiten als in vielen anderen Ländern?

Ein relevanter Aspekt ist definitiv die Gesetzeslage der USA: Durch schwachen Arbeitnehmerschutz werden viele Angestellte dazu gezwungen, weiter zu arbeiten, da ihnen sonst häufig mit dem Verlust des Arbeitsplatzes gedroht wird und nur wenige Angestellte sich unter Bezahlung freistellen lassen können. Kombiniert man das mit den häufig nur inadäquaten Schutzmaßnahmen, so findet man sich in einer Situation wieder, in der sich viele Menschen entscheiden müssen, ihre Gesundheit in Gefahr zu bringen oder ihre finanzielle Existenz zu riskieren.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die USA, anders als die meisten europäischen Länder, keine gesetzliche Krankenkasse besitzen, wodurch es bereits zu Tragödien gekommen ist. In Kalifornien starb zum Beispiel ein 17-jähriger Teenager (ohne Vorerkrankungen), nachdem er von einer Klinik abgewiesen wurde, da er keine private Krankenversicherung hatte.

Doch die wohl wichtigste Ursache liegt wahrscheinlich in der chaotischen Reaktion der US-Regierung begründet.


Trumps Reaktion auf die Pandemie


Die Bewältigung der Corona-Krise verlangt vor allem eins: Entschlossene Staatschefs, die bereit sind, ihre Bevölkerung zu schützen und zu einen. Sie dient damit vielen Politikern, wie etwa der deutsche Bundeskanzlerin, als eine Chance, sich als erfolgreicher Krisenmanager zu profilieren. Doch Donald Trump gehört nicht in diese Kategorie von Regierungschefs, stattdessen verbrachten er und sein Kabinett die letzten Wochen damit, von einem Skandal in den nächsten zu tappen.

Bis Mitte März hatte Präsident Trump noch im Widerspruch zu seinen eigenen epidemiologischen Beratern behauptet, dass er Corona „sehr wohl unter Kontrolle habe“ und verglich das Virus anschließend mit der saisonalen Grippe. Zuletzt versuchte er, seine früheren Einschätzungen zu relativieren: So behauptete Trump nunmehr, die Corona-Krise bereits vor allen anderen als Pandemie angesehen zu haben. Tatsächlich war die US-Reaktion auf Corona extrem verspätet: Nachdem in Südkorea ein Test-Kit zur schnellen Testung des Virus entwickelt wurde, gelang es den US-Behörden zunächst nicht, dieses herzustellen. Als Trump dann Ende März realisierte, dass das Virus, anders als von ihm vorhergesagt, keineswegs „unter Kontrolle“ war, stellte er eine „Task-Force“ auf, die sich mit dem Thema beschäftigen sollte. Doch diese erregte Aufsehen, als Trump seinen Vize-Präsidenten Mike Pence zum Leiter ernannte, welcher nicht nur keinen professionellen Hintergrund auf dem Gebiet vorzuweisen hat, sondern als ehemaliger Gouverneur von Indiana mit der AIDS-Krise extrem schlecht umgegangen war, was Indiana trotz seiner ländlichen Struktur zu einem Krisenherd machte und vielen Einwohnern das Leben kostete. Doch Präsident Trump hat die Krise nicht nur zu spät wahrgenommen, sondern zögert weiterhin angemessen zu handeln. Immerhin ordnete er unter Bezug auf den „Defensive Production Act“ an, dass diverse US-Unternehmen zu staatlich vorgegebenen Bedingungen Beatmungsgeräte zu produzieren haben.

Doch dies sind nur einige von vielen Merkwürdigkeiten. So ist es mehr als verwunderlich, dass Trumps Umfragewerte trotzdem so hoch wie selten zuvor sind. Der Hauptgrund dafür besteht darin, dass die US-Konservativen nach wie vor geschlossen hinter ihm stehen, und konservative Medien haben dabei häufig sogar viele Desinformationen des US-Präsidenten weiterverbreitet. Auch Sender wie „Fox News“ haben das Virus oft mit der Grippe verglichen oder aber argumentiert, dass Angestellte weiterarbeiten sollten, damit die Wirtschaft nicht zusammenbricht, selbst wenn sich einige von ihnen infizieren und sterben würden. Darüber hinaus gelingt es dem Präsidenten offenbar, der Sehnsucht vieler Amerikaner nach entschiedener Führung in Krisensituationen zu entsprechen.



Demokraten in Aufruhr


Wenn schon die Republikaner bedingungslos ihrem Präsidenten zu vertrauen scheinen, wäre es an den Demokraten, sich hinter einem Kandidaten zu versammeln, welcher Donald Trump aus dem Amt befördern kann. Doch wer soll das sein? Seit meinem letzten Artikel hat sich das Rennen komplett auf den Kopf gestellt: Nachdem der linke Senator Sanders zwischenzeitlich die Führung erlangen und die Wahlen in den Staaten Iowa, New Hampshire und Nevada gewinnen konnte, gaben einige Mitbewerber wie Major Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Michael Bloomberg das Rennen um die Nominierung zugunsten des moderaten Joe Biden auf. Zwar gab auch die eher Sanders-nahe Senatorin Elizabeth Warren auf, befürwortete aber letztendlich keinen der beiden Kandidaten.



Aufgrund dieser Umstände gelang es Joe Biden, die Führung über Sanders zurück zu erlangen: Am 08.04.2020 gab Sanders bekannt, dass er das Rennen um die Nominierung aufgeben würde, da für ihn nur noch eine theoretische Chance bestand. Er forderte, dass sich alle nun darauf konzentrieren sollten, die Schäden des Virus so gering wie möglich zu halten und danach, den in seinen Augen schuldigen, Donald Trump in der Präsidentschaftswahl zu schlagen.

Doch selbst wenn Biden die Nominierung nun sicher erlangen wird, ist der Streit zwischen dem moderaten und dem linken Flügel der demokratischen Partei noch immer nicht vorbei. Zwar will Sanders selbst Joe Biden unterstützen, aber dasselbe stimmt nicht zwangsläufig auch für Sanders enthusiastische Unterstützer. 2016, als Sander abermals gegen die moderate Hillary Clinton unterlag, entschieden sich weniger als 80% der Sanders-Unterstützer bei den Präsidentschaftswahlen für Clinton zu stimmen. Damals ging man davon aus, dass Clinton so oder so gegen Trump gewinnen würde, weswegen viele Sanders-Fans ihre Stimme als Protestwahl einsetzten, ohne mit den Konsequenzen zu rechnen. Anders die heutige Situation: Vielen ist klar, dass Trump nicht leicht zu besiegen sein wird, dennoch wollen sich immer noch viele Linke der Wahl enthalten. So auch der prominente progressive Radio-Host Jimmy Dore, welcher seine Entscheidung so begründete: „All die Macht, die wir über unsere Politiker haben, liegt in unserer Stimme. Wenn wir von vornherein versprechen, den demokratischen Kandidaten zu wählen, wer auch immer das sein mag, dann verlieren wir sämtlichen Einfluss über sie.“



Beitrag von Florian Märtin, Klasse 9c / 09.04.2020



Quellen:


https://www.youtube.com/watch?v=c09m5f7Gnic&list=PLAvRdqacllFlN0XCCuAavO2hDe_EjXlzo&index=5&t=0s


https://www.youtube.com/watch?v=c09m5f7Gnic&list=PLAvRdqacllFlN0XCCuAavO2hDe_EjXlzo&index=5&t=163s


https://www.youtube.com/watch?v=8Qaf7nhPbYA


https://www.youtube.com/watch?v=8buEn_hpuEI


https://gizmodo.com/teen-who-died-of-covid-19-was-denied-treatment-because-1842520539?utm_campaign=socialflow_gizmodo_twitter&utm_source=gizmodo_twitter&utm_medium=socialflow


https://www.newsweek.com/bernie-sanders-trump-2016-election-654320


https://edition.cnn.com/2020/04/08/politics/bernie-sanders-drops-out/index.html


https://www.nbcnews.com/politics/meet-the-press/if-it-s-biden-v-bernie-buckle-n998841


https://abcnews.go.com/US/high-school-student-washington-latest-coronavirus-community-spread/story?id=69301655


https://www.cnet.com/news/twitter-removes-more-than-1100-misleading-coronavirus-tweets/

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