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Ukraine-Krieg: Lilly interviewt ihren Papa




Interview über den Krieg in der Ukraine


Dieses Interview führte Lilly mit ihrem Papa, einem Polizisten in Dresden.


1. Du bist ja Polizist. Beschäftigst du dich mit dem Thema Krieg?

Ja. Da ich bei der Bundespolizei arbeite und wir an den Außengrenzen von Deutschland die Einreise überwachen, haben wir derzeit ganz viel mit den Vertriebenen zu tun. Wir registrieren die Ankömmlinge und unterstützen die Ausländerbehörden bei der Verteilung der Menschen.

2. Kannst du uns kurz erklären, warum Putin Krieg führt?

Das ist kurz nicht schnell erklärt. Es hat einerseits mit der Geschichte und dem ehemaligen Gebiet der Sowjetunion zu tun und andererseits mit dem sich zu einer Autokratie entwickelten System von Russland mit Putin an der Spitze. Es gibt in Russland keine Gewaltenteilung mehr. Putin hat im Laufe der Zeit alle Macht an sich gerissen und nun diesen Krieg begonnen. Meiner Meinung nach hat er die Kontrolle über sein eigenes Tun verloren. Das ist sehr gefährlich.

3. Hättest du gedacht, dass in Europa plötzlich Krieg ausbricht?

Nein. Auf keinen Fall. Ich hatte Putin bisher für einen gemäßigten „Machthaber“ gehalten. Das bisherige „Säbel rasseln“ (Drohen) zwischen der NATO und Russland gehörte für mich schon lange zur Gewohnheit.

4. Hast du Angst vorm Krieg?

Nicht mehr so, wie ich es als Kind hatte. Dort war der atomare 3. Weltkrieg ständig Thema in meinem Kopf. Heute weiß ich, dass so ein Krieg keine Aussicht für eine Kriegspartei hätte. Vor einem Krieg, wie er gerade in der Ukraine stattfindet, habe ich auf jeden Fall Angst. Vor allem, weil ich Kinder habe.

5. Was ist deine Meinung über Putins Verhalten?

Es ist erschreckend, wie Putin die Wahrheit verdreht und sein eigenes Volk in diese Spirale der Gewalt zwingt. Die Geschichte wiederholt sich leider immer wieder.

6. Wenn du ein Ukrainer wärst: Würdest du freiwillig kämpfen?

Natürlich. Wenn man in einem freien Land lebt, würde ich dafür kämpfen, dass es so bleibt. Man muss sich vorstellen, dass die Ukraine seit circa 30 Jahren ein unabhängiges Land ist. Dort gibt es junge Erwachsene, die überhaupt nicht nachvollziehen können, was dort gerade passiert.

7. Würdest du fliehende Menschen aufnehmen?

Grundsätzlich, für eine bestimmte Zeit: Ja. Es müssten aber bestimmte Rahmenbedingungen vorherrschen. Für diese Zeit bräuchte ich eine Möglichkeit, ständig zu Hause zu sein, zum Beispiel im Homeoffice. Weiterhin bräuchte man einen ständigen Ansprechpartner, um bei Fragen oder Problemen Hilfe für die Menschen und sich selbst erfragen zu können.

8. Putin hat der Ukraine ein Friedensangebot gemacht. Was ist deine Meinung dazu?

Dieses Friedensangebot ist nur eine Ersatzhandlung für das eigentliche Ziel des Krieges. Es bedeutet, dass die Ukraine als Staat nicht mehr existiert und wieder unter russischer Führung regiert wird. Dass auf dieses Angebot von der ukrainischen Regierung nicht eingegangen wird, kann ich voll verstehen!

9. Wenn Putin mit diesem Friedensangebot durchgekommen wäre, was meinst du: Hätte er so weiter gemacht?

Ich denke, dass es noch weitere ehemalige Sowjetrepubliken gibt, die sich wie Putin gerne wieder im „Großrussischen Reich“ sehen würden.

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